Zwei Wochen Deutsche Schülerakademie – ein Erfahrungsbericht

Die Schülerin Maya Schwarzburg, die nun die 13. Klasse besucht, hatte diesen Sommer die Möglichkeit, 16 Tage an der Deutschen Schülerakademie zu verbringen und teilt im folgenden Bericht ihre Erfahrung in dieser Zeit.

Soziologische Einsicht Nummer eins:“ Die Akademieerfahrung ist unbeschreiblich.“ Sätze wie diesen durfte ich diesen Sommer für 16 Tage lang jeden Morgen von Hartmut Rosa, dem Akademieleiter der Deutschen Schülerakademie in Waldenburg hören, jedoch hatte ich anfangs noch keinen blassen Schimmer, was diese bedeuten sollten. Denn auf den Vorschlag von Frau Krüger hin, habe ich mich diesen Frühling für jene Akademie, ohne jegliche Vorahnung darauf was auf mich zukommen würde, beworben und wurde schließlich auch angenommen. Als nächsten Schritt konnte ich bis zu fünf Wunschkurse angeben und landete letztendlich im Kurs „Philosophie- Kunst oder Wissenschaft?“. So kam es, dass ich in der Mitte der letzten Schulwoche nach Sachsen reiste und im Europäischen Gymnasium in Waldenburg ankam. In diesem fanden die Kurse und Kursübergreifende Angebote, auch KÜAs genannt, statt und im Internatskomplex der Schule sollten wir für die nächsten zwei Wochen nächtigen. Da es am Anreisetag schon fast Abend war, haben wir uns bald schon in der Aula für unser erstes Plenum eingefunden und uns wurde der Plan für die Akademie sowie die Strukturierung der Tage ausführlich erklärt. Am Morgen hatten wir jeden Tag außer sonntags und am Exkursionstag jeweils eine Kursschiene mit eingeplanter Kaffeepause, diese sind definitiv nicht zu kurz gekommen, sowie eine Kursschiene von nachmittags aus bis zum Abendessen. Die Zeit nach dem Mittagessen bis zur zweiten Kursschiene sowie die Zeit nach dem Abendessen bis in die Nacht hinein konnten wir uns selbst gestalten, das heißt, dass wir die zahlreichen Kursübergreifende Angebote von unseren Mitstreitern besucht haben oder unsere eigenen angeboten haben. Über die 16 Tage habe ich gelernt zu Töpfern, zu Tanzen, habe den Debattierclub besucht sowie Jiu-Jitsu gelernt. Auch habe ich meine Liebe zum Schachspielen wieder neu entdeckt, Backen gelernt und Improvisationstheater angeboten. Über diese Angebote hinaus, gab es noch zahlreiche weitere KÜAs die sich vom musikalischen Genuss bis zum Schreiben oder Filmemachen erstreckten, die Möglichkeiten waren grenzenlos. Die meisten Nächte haben wir uns bis tief in die Nacht bei einer Aktivität oder einfach bei weitergeführten Diskussionen aus unseren Kursen oder generellen philosophischen Fragen des Lebens wiedergefunden. Was auch große Beliebtheit hegte waren die nächtlichen, stundenlangen Tischtennisturniere gegen die Akademieleitung, die so wie wir kein Schlaf kannte oder die spontanen musikalischen Einlagen, wie nächtliches Klavier oder Orgelspielen. Trotz der kurzen Nächte haben wir uns morgens pünktlich um 8.30 beim Plenum eingefunden und spätestens nach dem morgendlichen musikalischen Energizer von Dörte, die für den Chor und das Orchester zuständig war, waren wir auch wieder mehr oder weniger wach und bereit in unsere Kursschiene zu starten. In meinem Kurs haben wir die ersten zwei Tage mehr oder weniger damit verbracht verschieden Begriffsdefinitionen und Thesen aufzustellen, darüber was sowohl Philosophie als auch Kunst und Wissenschaft seien. Schnell haben wir gemerkt, dass diese Fragen nicht in ein paar Sätzen zu beantworten seien und man jedes Wort auf seine Bedeutung prüfen muss. Aus diesem Grund haben wir dann angefangen uns in Kleingruppen die Auffassungen verschiedenster Philosophen anzueignen und haben uns in dem Prozess in drei stundenlangen Diskussionen über Begriffe wie dem Sachverhalt oder der normativen Erkenntnis verloren, welche auch beim Mittagessen oder nachts weitergeführt worden sind. Meist sind sie in grundlegende Fragen ausgeartet, wie ich es schon in meiner ersten Nacht erleben durfte, als ich mit mir dort noch unbekannten Mitstreitern am Lagerfeuer über Kant und seine heutige Relevanz im Schulleben sowie den bestehenden Kanon der zu unterrichteten Philosophen diskutierte. Da jeder Kurs am Ende der Akademie eine Dokumentation mit ca. 35 Word Seiten haben sollte, haben wir uns relativ schnell entweder alleine oder zu zweit entschieden welchen Autor wir behandeln wollten und hatten völlige Entscheidungsfreiheit wie, wo und wann wir daran arbeiten wollten, was auch einer der Gründe dafür war, dass diese Akademie nicht vergleichbar zur Schulerfahrung ist. Ich persönlich habe mich mit einem Freund mit Schiller und seiner Theorie über die Ästhetische Erfahrung des Menschen befasst und sowohl ein Konzept als auch einen wissenschaftlichen Text über diese geschrieben. Natürlich konnten wir uns bei Fragen immer an unsere Kursleiter wenden, welche mit uns auch erarbeitet haben, wie man einen richtigen wissenschaftlichen Text verfasst, wie es später in der Universität z.B. auch gefordert ist. Außer dieser Besonderheit gab es noch die Rotation, in der jeder in Kleingruppen etwas darstellen sollte, was etwas Erlerntes oder besondere Kursinhalte für die Akademieteilnehmer aus anderen Kursen darstellen sollte. So haben wir an diesem Tag die Möglichkeit gehabt, in die Bereiche der Biologie, der Wirtschaft und der Mathematik sowie der Physik einzutauchen. Darüber hinaus gab es noch zahlreiche weitere besondere Events wie den Exkursionstag, das Sportturnier, den Zukunftsabend und die beiden Konzerte, die auf hohem Niveau musikalischen Genuss durch z.B. Das Orchester, welches von einem Akademieteilnehmer dirigiert wurde, dem Chor und einzelnen Darbietungen sowie der Band, versprachen. Im Generellen hatte Hartmut Rosa von Anfang an Recht, die Akademieerfahrung und der Spirit der diese umgibt ist unbeschreiblich. Ich habe unfassbar tolle Leute kennengelernt und wir sind innerhalb unserer Freundesgruppe aber auch als Akademie so zusammengeschweißt, dass es regelrecht für jeden, der diese zwei Wochen dort verbracht hat, schmerzhaft war die Heimreise anzutreten, daher war der letzte Abend auch dementsprechend emotional für alle. Auch deshalb stehen wir alle noch in Kontakt und auch unsere Akademieleiter und Kursleiter texten uns noch regelmäßig, da man als Außenstehender schwer verstehen kann, wie es ist nach so einer intensiven Erfahrung wieder in seinen normalen Alltag einzusteigen. Alles in Allem bin ich sehr dankbar für diese Erfahrung die mich stark geprägt hat und würde sie immer wieder machen wollen.

Die Deutsche SchülerAkademie ist ein seit 1988 existierendes außerschulisches Programm des Talentförderzentrums Bildung & Begabung zur Förderung besonders begabter und motivierter Oberstufenschüler. Jeden Sommer werden dafür mehrere meist 16-tägige Akademien an verschiedenen Standorten in Deutschland veranstaltet.