Zeitzeugen-Projekt der MSS 13 zur Stärkung des Demokratiegedankens

Das traditionelle Projekt über die ehemalige Deutsche Demokratische Republik wurde ein unvergessener Schultag am Donnerstag, 20. Februar 2026 mit den Fachschaften Sozialkunde und Geschichte begangen. Dabei erhielten die Schülerinnen und Schüler der 13. Jahrgangsstufe, die Möglichkeit, die deutsche Einheitsgeschichte aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Darüber hinaus konnten die Schülerinnen und Schüler aus erster Hand erfahren, was es bedeutet, wenn staatliche Macht die Freiheiten und Entfaltungsmöglichkeiten seiner eigenen Bürger der Art einschränkte. Ebenso wurde sehr deutlich aufgezeigt, dass Demokratie nicht selbstverständlich ist, sondern etwas, woran man aktiv mitarbeiten muss. Diese Erkenntnis ist für die bevorstehenden Landtagswahlen von großer Bedeutung und geradezu elementar für das Wahlverhalten der jungen Erwachsenen.

Außerdem gab es eine intensive Auseinandersetzung mit der deutschen Vergangenheit und einer Dokumentation über den staatlichen Apparat der DDR und informative Zeitzeugengespräch mit Frau Elke Schlegel und Frau Birgit Schlicke, die aufschlussreiche Eindrücke über das DDR-Regime und den dazugehörigen Kontrollmechanismen der Staatssicherheit und Ihren Spitzeln ermöglichte.

Diese individuellen Sichtweisen der Zeitzeuginnen unterschieden sich durch Ihre Vorgeschichten: Einerseits Frau Schlegel, die, um ihre Bewilligung ihres Ausreiseantrages zu beschleunigen, regelmäßig demonstrierte mit anderen Regimegegnern in der Vereinigung „Der Weiße Kreis“ in Jena. Im März 1983 wurde sie verhaftet, obwohl ihr einige Tage zuvor mitgeteilt worden war, dass die Genehmigung zur Ausreise unmittelbar bevorstehen würde. Auf der anderen Seite begrüßten die Schülerinnen und Schüler Frau Schlicke, die nach dem gestelltem Ausreiseantrag der Eltern Bildungsverbot erhielt, die Oberschule verlassen musste und dann aushilfsweise als Briefträgerin arbeitete. 1987 stellte sie selbst einen Ausreiseantrag. Beschwerdebriefe an die Regierungsstellen in der DDR, ein Brief an die westdeutsche Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) und ein Protestschweigemarsch führten dann schließlich zu ihrer Verhaftung im März 1988. Verurteilt wurde sie zu zwei Jahren und sechs Monaten wegen „landesverräterischer Nachrichtenübermittlung“. Ihre Haftstrafen verbüßten beide Damen im Frauengefängnis Hoheneck.

Für den Besuch der Zeitzeuginnen möchten wir an dieser Stelle noch einmal für die Berichte aus ihrem ereignisreichen Leben herzlich danken.