Jobshadowing in Brescia/Italien – una bella esperienza

Im Rahmen von Erasmus+ besuchte Frau Dr. Fielenbach zusammen mit zwei CertiLingua-Schülerinnen des bilingualen Zuges die neue Partnerschule „Liceo Scientifico di Stato „A. Calini““ in Brescia.  Die geschäftige und wunderschöne Stadt liegt in Norditalien, unweit von Mailand und dem Gardasee am Nordrand der Alpen.

Das Liceo Scientifico ist das älteste Gymnasium in Brescia und wurde 2016 als beste naturwissenschaftliche Schule der Stadt ausgezeichnet. Zurzeit wird es von rund 1200 Schülerinnen und Schülern im Alter von 14-19 Jahren besucht. Außerdem wird Deutsch als zweite Fremdsprache angeboten.

Während des dreitägigen Job-Shadowings gewann Frau Dr. Fielenbach viele gewinnbringende Eindrücke, vor allem im Bereich der Berufsorientierung und den Naturwissenschaften.

Nach einem herzlichen Empfang von der italienischen Erasmuskoordinatorin Giovanna Chisari erhielt die deutsche Delegation eine von den Gastschüler:innen geleitete Tour durch den Alt- und Neubau des Gymnasiums Calini.

Bereits am ersten Tag konnte Frau Dr. Fielenbach einen interessanten Einblick in den naturwissenschaftlichen Bereich gewinnen, der sich im Aufbau erheblich von dem deutschen unterscheidet: Die naturwissenschaftlichen Fächer werden nicht einzeln, sondern gebündelt in dem Fach Naturwissenschaft „Scienze“ unterrichtet, das Astronomie, Biologie, Chemie und Geowissenschaften enthält. Mathematik und Physik hingegen werden separat gelehrt. Trotz einer vergleichsweise signifikant reduzierten Stundentafel des Fachs Scienze, umfasst der Lehrplan weitgehend dieselben Fachinhalte.

Während des Besuchs kam Frau Dr. Fielenbach in den Genuss, in verschiedenen Naturwissenschaftsstunden im Bereich der Biologie sowie Chemie zu hospitieren. Außerdem wurden ihr gleich mehrere Besuche des Biologie- und Chemielabors ermöglicht. Hier unterstützte sie die italienischen Lehrkräfte bei Versuchen zur DNA-Extraktion und Nachweismethoden von Nährstoffen und durfte beim Mikroskopieren von Wasserorganismen den italienischen Schülerinnen und Schülern einer AG helfen. Sehr attraktiv empfand sie die gesonderten Schülerlaborräume sowie die Vor- und Nachbereitung von Schulexperimenten durch die aus dem Schuletat bezahlte Laborassistentin.

Im Allgemeinen verläuft der Unterricht nicht kompetenzorientiert (Lernkontext, Anbindung von Wissen, Wissenserwerb durch Lernprodukterstellung, Präsentation und Diskussion). Stattdessen werden in Vorbereitung auf den Unterricht Fachskripte in Eigenregie zu Hause durchgearbeitet, deren Inhalte im Lehrvortrag doziert und bestehende Fragen geklärt. Gelegentlich sichern Hausaufgaben im Anwendungsbereich einen zusätzlichen Lernertrag.  Insgesamt fordert das italienische System den Schülerinnen und Schülern ein hohes Maß an Leistungsbereitschaft, Organisation, Eigenverantwortlichkeit und Disziplin. Ziel hierbei ist die bestmögliche Vorbereitung der Schülerinnen und Schüler auf die italienische universitäre Wissensvermittlung.

Im Verlauf des Schulaufenthaltes in Brescia gewann Frau Dr. Fielenbach in vielen interessanten Gesprächen mit den berufsorientierenden Lehrkräften, der Teilnahme an universitären Vorstellungen an der Schule sowie einem Austausch mit Professoren, Studenten und Schülerinnen/Schülern tiefgehende Einblicke in die Berufsorientierung an italienischen Gymnasien.

Der schulischen Berufsorientierung wird in Italien eine große Bedeutung beigemessen. Sie ist anders strukturiert und wird in einem Team von drei Lehrkräften und einer Psychologin betreut.

Von der zehnten bis dreizehnten Jahrgangsstufe verwenden die Schülerinnen und Schüler mindestens 90 Stunden für eine Auswahl verschiedener Berufsorientierungsveranstaltungen. In der zehnten Klasse erwerben sie erste Kenntnisse über die Arbeitsplatzsicherheit und gesetzliche Regelungen. In der elften und zwölften Jahrgangsstufe belegen sie je 30 Stunden im sogenannten praktischen Bereich, der zum einen außerschulische Praktika und zum anderen praktische oder theoretische Orientierungskurse durch Firmen oder Betriebe an der Schule beinhalten kann. In der dreizehnten Jahrgangsstufe erwerben sie durch die Teilnahme an Vorstellungsveranstaltungen von Universitäten an der Schule eine Übersicht über die (nord)italienischen Universitäten und Einblicke in das Studentenleben. Zusätzlich erfolgen weitere Vorstellungen von Firmen, Betrieben, Kammern und Berufsverbänden in der Schule. Das Berufsorientierungsteam gewährleistet eine Betreuung der Schülerinnen und Schüler durch verpflichtende Konsultationen. Zum Abschluss erfolgt eine Evaluation der Schülerin/des Schülers durch beteiligte Lehrkräfte, den Praktikumsbetrieb und eine zehnminütige Abschlussprüfung über die Berufsorientierung.

Während ihres Job-Shadowings wurden die schulischen Erfahrungen abgerundet mit der Besichtigung von Brescia und des malerischen D‘Iseo-Sees sowie abendlichen kulinarischen Entdeckungen in Begleitung der italienischen Kolleginnen und Kollegen.

Insgesamt lässt sich der Erasmusaufenthalt als eine kurze, spannende und abwechslungsreiche Zeit mit vielseitigen Einblicken und regem Austausch zusammenfassen. Auch in Zukunft können durch einen ertragreichen interkulturellen Austausch Lehrkräfte und Schülerinnen/Schüler beider Schulen von vielen Ideen und wertvollen Erfahrungen profitieren und diese in die Schulentwicklung einfließen lassen.